Freie Medien dank No-Billag? Die Initianten lehnen sich mit ihren Versprechungen sehr weit aus dem Fenster

In einem YouTube-Video zwecks Spendenaufrufs sagt die Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen Zürich, Jessica Brestel:

„Für freie Medien in der Schweiz, für die direkte Demokratie und für ein JA zu No Billag“

Und in einer Hinsicht kann man dem sogar zustimmen:

Vollkommen privatisierte und durchkommerzialisierte Medien, wie sie den Initianten vorschweben, sind total frei, auschliesslich Programminhalte zu senden, mit denen sich ausgiebig Werbung verkaufen lässt. Diese Freiheit werden sie sehr konsequent nutzen.

Pech einfach für alle Aktivitäten, die nicht so kommerzialisierbar sind und für die es deshalb keinen attraktiven Werbemarkt gibt. Sie werden es schwer haben, in der Öffentlichkeit noch wahrgenommen zu werden.

Voll privatisierte Medien, wie sie den Initianten vorschweben, sind massiv von Werbung abhängig und damit abhängig von den Firmen, die Werbung schalten. Eine Konsumentensendung wie „Kassensturz“ kommt ständig den Geschäftsinteressen von Firmen in die Quere. Der „Kassensturz“ ist aber nicht erpressbar, weil die SRG zu 75% durch Gebüren finanziert wird. Kein Privatsender kann es sich leisten, die eigenen Inserenten zu vergraueln.

Vollständig durchkommerzialisierte Medien sind in erster Linie ihren Geldgebern verantwortlich. Die Zahlen müssen stimmen.

Bei einer Teigwaren-Fabrik ist das kein Problem. Bei durchkommerzialisierten Medien hat es aber einen Einfluss darauf, worüber und in welcher Form berichtet wird. Und das ist ausgesprochen heikel bis gefährlich für eine demokratische Gesellschaft.

Aus diesen Gründen ist es sehr irreführend, wenn Jessica Brestel von freien Medien nach No-Billag schwärmt. Das Gegenteil wäre der Fall.

Eine Nebelpetarde wirft die Jungfreisinnige auch, wenn sie die direkte Demokratie vor den No-Billag-Karren spannt.

Von einer Demontage der SRG würden vor allem ausländische TV-Sender wie RTL oder Pro Sieben profitieren, in dem sie ihre CH-Werbefenster ausbauen. In Zürich würde es dann noch ein Regionalstudio geben.

Dass sich ausländische Privatsender für die direkte Demokratie der Schweiz interessieren und darüber vertieft und kompetent berichten, ist eine ziemlich skurrile Vorstellung.

Wie gefährlich von Medienmogulen abhängige Privatsender sein können, hat in Italien Berlusconi gezeigt. Er hat seine Privatsender voll in den Dienst seiner politischen Karriere gestellt und als Ministerpräsident zusätzlich noch die staatliche RAI unter seine Kontrolle gebracht (was in der Schweiz mit der SRG nicht möglich wäre).

So sieht das dann aus:

„Einseitige Wahlberichte: Italiens Tagesschauen bestraft

Die Fernsehgruppe Mediaset und der Staatssender RAI hatten lange Wahlappelle von Berlusconi übertragen. Die Medienbehörde verurteilte sie zu Geldstrafen.

Die von der Berlusconi-Familie kontrollierte italienische Fernsehgruppe Mediaset und der Staatssender RAI haben zu viel Wahlwerbung für Ministerpräsident Silvio Berlusconi gemacht. Zu diesem Schluss kam die  italienische Medienregulierungsbehörde. Der Verstoß gegen die Wahlkampfregeln, den Nachrichtensendungen von RAI und Mediaset begangen haben, wird mit Geldstrafen geahndet……“

Quelle: https://diepresse.com/home/kultur/medien/664677/Einseitige-Wahlberichte_Italiens-Tagesschauen-bestraft

So sieht die Wirklickkeit aus betreffend der Freiheit von Privatsendern. Jessica Brestel streut den Zuschauerinnen und Zuschauern in ihrem YouTube-Clip Sand in die Augen.

Wer unabhängige Medien wichtig findet, sollte am 4. März zu No-Billag Nein stimmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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