Casper Selg: No Billag = No Aussenpolitik

Auf der Website der Schweizerischen Gesellschaft für Aussenpolitik ist eine Kolumne von Casper Selg erschienen unter dem Titel „No Billag = No Aussenpolitik“.

Selg schreibt:

„Was immer die Folge eines Ja zur «No Billag»-Initiative wäre, eines steht fest: Internationale Politik verschwände weitgehend aus Radio und Fernsehen. In allen vier Landesteilen.“

«No Billag», die Initiative zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren, sei ein Etikettenschwindel. Mit dem Etikett «No Billag» werde suggeriert, man könne die hohen, ungeliebten Empfangsgebühren loswerden. Aber es gehe nicht um die Billag und es gehe letztlich nicht um die Gebühren: „Der Haupteffekt der Initiative wäre die sofortige vollständige Zerschlagung der SRG, des Service Public im Medienbereich.“

Der sachgerechte Titel wäre laut Selg: «No SRG, sofort»: „Weg mit der Tagesschau, dem 10vor10, der Rundschau, dem Echo der Zeit, dem Rendez-Vous, mit Heute Morgen, SRF4News, Kontext. Aber auch mit Temps présent, dem Telegiornale und den Novitads. Von all den Kulturprogrammen gar nicht zu reden.“

Was in jedem Fall verschwinden würde, sei die Auslandberichterstattung, die internationale Politik:

„Das Korrespondentennetz von Radio SRF, von Fernsehen SRF, den Westschweizer und Tessiner Kollegen, wird mit absoluter Sicherheit nicht mehr zu finanzieren sein………Finanzierbar bliebe allenfalls ein bisschen Katastropheninformation. Wie viele Tote im Iran? Was macht die Schweizer Hundestaffel?“

Casper Selg zitiert einen früheren Leiter des „Echo der Zeit“, Hans Lang:

«Die Auslandberichterstattung ist absolut unerlässlich in einem Kleinstaat ohne eigene Ressourcen, der vom Ausland in vielerlei Hinsicht abhängig ist. Die Schweiz, mehr als andere, muss wissen, was sich wo weshalb abspielt».

Selg weist darauf hin, wie klein das Netz der Auslandkorrespondenten bei den riesigen Networks CBS, NBC und ABC im Privatfernseh-Eldorado USA ist.

„Was der riesige Markt USA an Auslandinformation nicht finanzieren kann, wird der fünfzigmal kleinere (!) Schweizer Markt erst recht nicht hergeben. Und wir brauchen das alles in vier Sprachen statt nur einer… “

Internationale Politik sei kein Quotenhit, Aussenpolitik «bringe» fast nichts im Fernseh- und Radiomarkt.

Selg sagt also sehr deutlich, dass Privatsender eine adäquate Auslandberichterstattung nicht liefern werden.

Internationale Politik werde nur noch in gewissen Zeitungen stattfinden.Aber auch von diesen Zeitungen gebe es immer weniger und dort sei das «Ausland» immer eines der ersten Opfer.

„Der Berner «Bund» und die «Berner Zeitung» haben keine eigenen Auslandredaktionen mehr. Man liest heute im Auslandteil des «Bund» den «Tagesanzeiger». Und dessen Auslandrubrik besteht zu einem guten Teil aus der «Süddeutschen». Und die wiederum schaut die internationalen Ereignisse nicht aus einer speziell schweizerischen Perspektive an.“

«No Billag» heisse: „Kahlschlag statt Vielfalt. Für alle vier Landesteile“.

Und das gelte ganz speziell für den Bereich internationale Politik – ein «Echo» oder eine «Rundschau» werde mit Sicherheit nicht mehr im Programm sein.

Casper Selg war langjähriger Leiter und Moderator des «Echo der Zeit», einer SRF-Radiosendung, die für ihre hohe journalistische Qualität bekannt ist. Zudem war er Korrespondent in Deutschland und in den USA für Radio SRF. Seit Sommer 2015 ist Casper Selg freier Journalist.
Die sehr lesenswerte vollständige Kolumne finden Sie hier.
Ein weiteres Thema, zu dem die Initianten der NoBillag-Initiative sich nicht ansatzweise seriöse Gedanken gemacht haben.
Daher: Am 4. März NoBillag Nein.

 

 

 

 

 

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