Die Akademien der Wissenschaften Schweiz befürchten negative Konsequenzen bei Annahme von „No Billag“

Eine Annahme der No-Billag-Initiative hätte nach Ansicht der Akademien der Wissenschaften Schweiz weitreichende Folgen für die gesamte Gesellschaft und auch für die Wissenschaft.

Die Akademien haben deshalb eine Stellungnahme zu dieser Abstimmung verfasst.

Darin schreiben sie, dass sich Radio und Fernsehen ohne Service-public-Auftrag primär an den Interessen der Werbewirtschaft und am kurzfristigen Publikumsinteresse orientieren würden. Es sei mit einer Verkürzung und Vereinfachung wissenschaftlicher Themen im Hinblick auf einen direkten Nutzwert und praktische Ratschläge zu rechnen. Zudem würde die Themenvielfalt, die in Zeiten der Medienkonzentration bereits eingeschränkt sei, weiter leiden. Besonders stark werden sich die Nachteile nach Ansicht der Akademien in den Regionen der Sprachminderheiten auswirken.

In Zusammenarbeit mit Medien-ExpertInnen haben die Akademien der Wissenschaften Schweiz die 5 wichtigsten Konsequenzen für die Wissenschaft zusammengefasst.

Die Akademien befürchten:

1. Eine Gefährdung des Dialogs zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft zu Themen wie Digitalisierung, Umwelt, Medizin, Migration:

„Ein kritischer, sachkundiger Journalismus ist für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft essentiell. Ohne SRG gäbe es bei Fernseh- und Radiostationen kaum noch WissenschaftsjournalistInnen. Diese produzieren einerseits Wissenschaftssendungen und bringen andererseits ihre Expertise auch in die allgemeinen Informationssendungen ein. Diesen Service public werden und können private Fernseh- und Radiostationen nicht leisten.“

2. Eine Beendigung des Bildungsauftrages von Radio- und Fernsehen (gemäss Initiativtext):

„Eine Schwächung der Bildung schadet der Wissenschaft, zumal beispielsweise weniger Menschen einen wissenschaftlichen Beruf wählen werden. Auch das Grundverständnis in Sachfragen bei der gesamten Bevölkerung würde leiden.“

3.  Eine Gefährdung der Qualität der Wissenschaftsberichte:

„Private Radio- und Fernsehstationen engagieren primär Allround-JournalistInnen und keine spezialisierten WissenschaftsjournalistInnen. Zudem ist die Qualität der Wissenschaftsberichterstattung bei der SRG besonders hoch, sind doch viele GewinnerInnen des Prix Médias der Akademien der Wissenschaft Schweiz von der SRG.“

4. Eine Schwächung der Transparenz der Verwendung öffentlicher Gelder und der Legitimität der Forschung:

„Rechenschaft einfordernde, kompetente JournalistInnen mit regelmässigen Wissenschaftsberichten sind essentiell.“

5. Eine Einschränkung der Sichtbarkeit von ExpertInnen der Schweiz:

„Internationale Medien werden stark an Bedeutung gewinnen, ExpertInnen aus der Schweiz haben das Nachsehen. Die medial geführten Debatten werden stärker von ExpertInnen aus dem Ausland geprägt.“

(Quelle)

 

 

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